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Traubensilberkerze in den Wechseljahren: Was die Studienlage wirklich zeigt

Traubensilberkerze gegen Hitzewallungen: Was IQWiG, Leitlinie und EMA sagen, warum sich Studien widersprechen und was die Leberwarnung bedeutet.

Registrierte Kräuterkundlerin (AHG)

Traubensilberkerze in den Wechseljahren: Was die Studienlage wirklich zeigt
The Wellness Voyage

Wer nach „Traubensilberkerze Wechseljahre“ sucht, stößt auf drei Botschaften, die sich kaum vereinbaren lassen: Die Pflanze „hilft gegen Hitzewallungen“, ihre Wirksamkeit ist „nicht gesichert“, und Leberschäden haben die Behörden zu Warnhinweisen veranlasst. Jede dieser Aussagen stützt sich auf ein echtes Dokument, und keine erzählt die ganze Geschichte. Dieser Ratgeber ordnet die Positionen von Cochrane, IQWiG, S3-Leitlinie, EMA und BfArM anhand der Originaltexte ein, erklärt, warum der Unterschied zwischen zugelassenem Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland eine Rolle spielt, und behandelt die Leberfrage vor dem Nutzen, weil man sie verstehen sollte, bevor man etwas kauft.

Kurzantwort

Die Belege dafür, dass Traubensilberkerze Hitzewallungen lindert, sind uneinheitlich, und wie groß ein möglicher Nutzen ist, bleibt unsicher. Ein Cochrane-Review von 2012 (16 Studien, 2.027 Frauen) fand keine ausreichende Evidenz. Der Evidenzbericht des IQWiG von 2025, der nur Studien mit Präparaten berücksichtigte, die dem deutschen Zulassungsstatus entsprechen, sah bei vasomotorischen Beschwerden einen Vorteil gegenüber Placebo (zwei gemeinsam ausgewertete Studien, moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, Fragebogendaten), bei der Lebensqualität uneinheitliche Ergebnisse mit sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit und keine signifikanten Unterschiede bei Schlaf, depressiven Symptomen, Herzklopfen und einem Erschöpfungsmaß. Die S3-Leitlinie stuft Cimicifuga mit Empfehlungsgrad 0 ein: Sie „kann“ angewendet werden, die Hormontherapie dagegen „soll“ angeboten werden. Die EMA führt drei bestimmte Extrakte als „well-established use“, räumt in ihrem Bewertungsbericht aber ein, dass keine hochwertige Studie signifikante Ergebnisse bei Hitzewallungen gezeigt hat.

Zur Sicherheit: Bei Produkten, die als Traubensilberkerze verkauft wurden, sind Leberschäden gemeldet worden. Das NCCIH nennt sie selten; nach BfArM und EU-Monographie ist ihre Häufigkeit nicht abschätzbar. Ob die Pflanze selbst dafür verantwortlich ist, ist ungeklärt; das BfArM schreibt seit 2009 einen Warnhinweis in den Produktinformationen der Arzneimittel vor. Verwechslungen mit anderen Pflanzen sind dokumentiert, erklären die Fälle aber nicht nachweislich. Traubensilberkerze ist kein gleichwertiger Ersatz für eine Hormontherapie. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, wenn Sie eine Lebererkrankung haben, andere Medikamente einnehmen oder schon einmal an einem hormonabhängigen Tumor erkrankt waren; in Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen. Beenden Sie die Einnahme und holen Sie ärztlichen Rat ein, wenn Zeichen einer Leberschädigung auftreten.

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Wie die großen Institutionen urteilen

QuelleKernaussageGrundlage
Cochrane-Review (2012)„Unzureichende Evidenz“ für den Einsatz bei Wechseljahresbeschwerden16 Studien, 2.027 Frauen; Einzelpräparate; die Schätzung zu Hitzewallungen fasst nur 3 Studien zusammen
Metaanalyse, vom NCCIH zitiert (2023)Hitzewallungen besser als unter Placebo; keine signifikante Besserung bei Angst und depressiven Symptomen22 Arbeiten, 2.310 Frauen; Traubensilberkerze allein oder in Kombination
IQWiG-Evidenzbericht (2025)Vorteil bei vasomotorischen Beschwerden (zwei Studien gemeinsam ausgewertet, moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz); Lebensqualität: uneinheitlich, sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit7 Studien gefunden, 4 verwertbar; nur Extrakte und Dosierungen nach deutschem Zulassungsstatus
AWMF-S3-Leitlinie (2020; Entwurf 2026)Cimicifuga „kann“ angewendet bzw. angeboten werden (Empfehlungsgrad 0); Hormontherapie „soll“ angeboten werden2020: 95 % Konsens, Sondervotum der Gesellschaft für Phytotherapie; Entwurf 2026: 82 % Konsens, Evidenz „niedrig/sehr niedrig“
EMA, EU (2018; Überprüfung 2025)„Well-established use“ für drei bestimmte Extrakte (Hitzewallungen, starkes Schwitzen)Regulatorische Bewertung auf Grundlage von rund 20 Studien, langer Anwendung und Verkaufszahlen, mit 20 von 25 Stimmen beschlossen; nicht gleichzusetzen mit einem Wirksamkeitsnachweis aus hochwertigen Studien
BfArM, Deutschland (2009)Warnhinweis auf Leberschäden in den Produktinformationen aller Cimicifuga-haltigen Arzneimittel angeordnet (Homöopathika erst ab D3 ausgenommen)Über 30 Verdachtsfälle; nach Bewertung des HMPC Kausalzusammenhang in 2 Fällen möglich, in 2 wahrscheinlich

Stand: 30. September 2026. Jede Zeile wird in den folgenden Abschnitten mit Quellen erläutert. Passagen aus englischsprachigen Texten sind von uns übersetzt.

Traubensilberkerze: Was sie ist und was über ihre Wirkweise bekannt ist

Die Traubensilberkerze (Actaea racemosa, früher Cimicifuga racemosa) ist eine nordamerikanische Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse; verwendet wird der Wurzelstock. Im Alltag heißt sie Traubensilberkerze, in Behördentexten und Leitlinien meist Cimicifuga. Homöopathische Zubereitungen in Verdünnungsstufen sind nicht die Extrakte, die in den Studien geprüft wurden.

Wie sie wirken könnte, ist ungeklärt. In der Fachinformation eines zugelassenen Präparats steht: „Weder der Wirkmechanismus noch die für die Besserung der klimakterischen Beschwerden verantwortlichen Inhaltsstoffe sind bekannt“ (Fachinformation). Die S3-Leitlinie nennt es umstritten, ob die Wirkung über Östrogenrezeptoren erfolgt, und hält früher vermutete östrogenartige Effekte an Brust und Gebärmutter für Cimicifuga-Arzneimittel für ausgeschlossen (AWMF, 2020). Die EMA-Monographie schreibt dagegen, ein Einfluss auf Brustkrebs oder andere hormonabhängige Tumoren könne nicht ausgeschlossen werden, und angemessene Untersuchungen zu Genotoxizität, Karzinogenität und Reproduktionstoxizität lägen nicht vor; Laborbefunde sprechen teils dafür, dass Extrakte Entstehung und Verlauf von Brustkrebs nicht beeinflussen, andere In-vitro-Versuche lieferten widersprüchliche Ergebnisse (EMA-Monographie). Die Fachinformation eines zugelassenen Präparats nennt vier Genotoxizitätsstudien ohne Hinweis auf ein Risiko, aber keine aussagekräftigen Studien zu Karzinogenität und Reproduktionstoxizität. Eine Hypothese zur Pharmakologie ist noch keine Erklärung dafür, warum die Pflanze Hitzewallungen lindern sollte.

Wenn Sie zuerst klären möchten, ob Ihre Beschwerden zur Perimenopause gehören, beginnen Sie mit unserem Ratgeber zu den Symptomen der Perimenopause. Wie Traubensilberkerze neben anderen Nahrungsergänzungsmitteln einzuordnen ist, steht in unserem Ratgeber zu Vitaminen und Nahrungsergänzung in der Perimenopause.

Ist Traubensilberkerze sicher für die Leber?

In Studien wird Traubensilberkerze meist gut vertragen. Das Gesundheitsportal des IQWiG nennt Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Hautrötung bei etwa 5 von 100 Anwenderinnen; sie verschwinden gewöhnlich nach dem Absetzen (gesundheitsinformation.de). Schwerer wiegt die Frage nach der Leber.

Was die gemeldeten Fälle zeigen

Leberschäden, teils sehr schwere, sind bei Produkten gemeldet worden, die als Traubensilberkerze verkauft wurden. Die Datenbank LiverTox der US-Gesundheitsinstitute zählt mehr als fünfzig klinisch auffällige Fälle, von erhöhten Leberwerten über Hepatitis bis zum Leberversagen mit Lebertransplantation oder Todesfolge, meist 2 bis 12 Wochen nach Einnahmebeginn (LiverTox). Das NCCIH nennt diese Probleme „selten“ und sagt, es sei unklar, ob die Traubensilberkerze dafür verantwortlich war.

Die Behörden haben das als Signal gewertet. In Deutschland ordnete das BfArM mit Bescheid vom 9. Juni 2009 (Stufenplanverfahren, Stufe II) an, dass die Fach- und Gebrauchsinformationen aller Cimicifuga-haltigen Arzneimittel, Homöopathika bis zur Verdünnung D2 eingeschlossen, einen Warnhinweis auf Leberschäden enthalten. Er gilt seit dem 1. September 2009: Anwenderinnen sollen die Einnahme sofort beenden, wenn Zeichen einer Leberschädigung auftreten (Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunkler Urin, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Appetitverlust, Müdigkeit), und eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Das BfArM begründete das damit, ein Kausalzusammenhang müsse nicht sicher bewiesen sein, um in die Produktinformation aufgenommen zu werden, es genüge, dass er mindestens möglich sei (BfArM, 2009). Die EMA schloss 2007 nach Prüfung von 44 schlecht dokumentierten Fallberichten, der Zusammenhang sei als Signal zu werten (EMA, 2007). Ihr Bewertungsbericht von 2018 wertet die seither hinzugekommenen Fallberichte, auch die schlecht dokumentierten, als „klares Signal für Sicherheitsbedenken“ und führt Spontanmeldungen aus der deutschen Pharmakovigilanz-Datenbank zu Tabletten auf, deren angegebener Extrakt der Monographie entspricht; ein Fall erreichte auf der RUCAM-Skala 7 Punkte („wahrscheinlich“) (EMA, Bewertungsbericht). Die aktuelle EU-Monographie führt Lebertoxizität als mit der Anwendung „assoziiert“ auf, Häufigkeit nicht bekannt. Ein europäisches Sicherheitsverfahren (PSUSA), über das der HMPC-Addendum vom November 2025 berichtet, empfahl, die Zulassungen beizubehalten, und hielt fest, die Hepatotoxizität solle weiter engmaschig überwacht werden (EMA, 2025).

Warum die Ursache umstritten ist

Experten kommen bei ähnlichen Fällen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ein Gremium der US Pharmacopeial Convention stufte mit einer allgemeinen Skala alle 30 nicht doppelten Meldungen, die es prüfte, nur als „möglich“ ein (keine als wahrscheinlich oder sicher) und empfahl einen Warnhinweis auf dem Etikett (Mahady et al., 2008). Ein Hepatologe, der 69 Verdachtsfälle mit einem leberspezifischen Instrument neu bewertete, hielt die Kausalität in 68 Fällen für ausgeschlossen, unwahrscheinlich, nicht zusammenhängend oder nicht beurteilbar, wegen fehlender Daten, anderer Lebererkrankungen, Begleitmedikation und nicht identifizierter Produkte (Teschke et al., 2009). Beide Analysen sind in Fachzeitschriften mit Peer-Review erschienen, und keine kann eine seltene, unvorhersehbare Reaktion beweisen oder ausschließen.

Auch Studien entscheiden die Frage nicht. LiverTox verzeichnet unter mehr als 1.200 Studienteilnehmerinnen keine klinisch auffällige Leberschädigung, und eine Metaanalyse von fünf Studien (1.117 Frauen) zu einem einzigen Extrakt fand keine signifikante Veränderung der mittleren Leberwerte (AST und ALT) (Naser et al., 2011). Ihr Erstautor ist mit dem Hersteller des Extrakts verbunden, und Studien dieser Größe können seltene Reaktionen übersehen. LiverTox urteilt dazwischen: Bewertung „A“, das heißt, als Traubensilberkerze verkaufte Produkte sind gut belegte Ursachen klinisch auffälliger Leberschäden, ohne dass der verantwortliche Bestandteil klar wäre. Zugleich erscheine die Pflanze nicht von Natur aus lebertoxisch.

Das Verwechslungsproblem: Wenn „Traubensilberkerze“ keine Traubensilberkerze ist

„Traubensilberkerze“ auf dem Etikett hat nicht immer Traubensilberkerze bedeutet. Von sechs schweren Leberfällen, die die kanadische Behörde Health Canada zwischen 2005 und 2009 erhielt, enthielten die Produkte in vier keine echte Traubensilberkerze (zwei nach Analysen der Labore von Health Canada, zwei nach Herstelleranalysen); bei den von Health Canada untersuchten Produkten passten die chemischen Profile zu verwandten Pflanzenarten. Die beiden anderen Produkte waren nicht zugelassen; Daten zu ihrer Echtheit liegen nicht vor. Health Canada schreibt, diese Fälle zeigten, dass Produkte ohne echte Traubensilberkerze mit Leberreaktionen in Verbindung stehen können. Die Behörde nennt die Ersatzart nicht, sagt nicht, dass sie schädlich ist, und weist darauf hin, dass ein sicherer Kausalzusammenhang oft nicht festgestellt werden kann (Health Canada, 2010).

Eine Dünnschichtchromatographie-Platte, die unter UV-Licht blau und türkis leuchtet, auf einem Labortisch neben einer Schale mit zerkleinerter getrockneter Wurzel und einer behandschuhten Hand mit einer Glaskapillare: die Art chemischer Prüfung, mit der sich die Identität einer Heilpflanze bestätigen lässt

Analysen von Produkten aus dem Internet oder dem US-Markt zeigen Ähnliches, und sie zeigen einen Unterschied, der für Leserinnen in Deutschland wichtig ist. Von 11 in den USA gekauften Produkten enthielten vier asiatische Actaea-Arten statt oder neben Traubensilberkerze (Jiang et al., 2006). In einer Studie von 2014 waren sieben von 19 Nahrungsergänzungsmitteln von US-Vertrieben falsch deklariert oder verfälscht, alle sechs untersuchten europäischen rezeptfreien Arzneimittel (fünf deutsche, ein Schweizer) waren dagegen echt (Masada-Atsumi et al., 2014). Von 60 Proben aus dem Internet und dem US-Markt waren 33 von fragwürdiger Qualität (Frommenwiler et al., 2022). Das sind kleine Gelegenheitsstichproben, keine Marktanteile, und eine Untersuchung deutscher Nahrungsergänzungsmittel haben wir nicht gefunden.

Ob solche Produkte Leberfälle erklären, ist nicht bekannt: Das NCCIH nennt es möglich, aber nicht bewiesen, und die EMA sieht als wesentliche Einschränkung der Fallberichte, dass Angaben zur Qualität der beteiligten Produkte fehlen. Verwechslungen können jedoch nicht alles erklären, denn die EMA führt auch Spontanmeldungen zu Tabletten auf, deren angegebener Extrakt der Monographie entspricht.

Was das praktisch bedeutet

Keine der beiden einfachen Deutungen lässt sich halten: Die Daten zeigen nicht, dass echte Traubensilberkerze zuverlässig die Leber schädigt, und nicht, dass Verwechslungen die Fälle erklären. Sie rechtfertigen aber Vorsicht:

  • Beenden Sie die Einnahme und suchen Sie ärztlichen Rat, wenn Zeichen einer Leberschädigung auftreten. Die Produktinformationen nennen Müdigkeit, Appetitverlust, Gelbfärbung der Haut oder Augen, starke Schmerzen im Oberbauch mit Übelkeit und Erbrechen oder dunklen Urin.
  • Bei einer Lebererkrankung nicht ohne ärztlichen Rat beginnen. Die Fachinformation eines zugelassenen Präparats verlangt bei vorgeschädigter Leber Vorsicht, die Gebrauchsinformation verweist auf Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt.
  • Die Herkunft des Produkts ist wichtig, wie weiter unten beschrieben.

Hilft Traubensilberkerze wirklich gegen Hitzewallungen?

Was der Cochrane-Review fand

Der Cochrane-Review von 2012 (Leach und Moore) fasst 16 randomisierte Studien mit Traubensilberkerze als Einzelpräparat zusammen (2.027 Frauen; Mediandosis 40 mg pro Tag; durchschnittlich etwa 23 Wochen). Für die Häufigkeit von Hitzewallungen konnten nur drei Studien (393 Frauen) zusammengefasst werden: Unter Traubensilberkerze traten im Mittel 0,07 Hitzewallungen pro Tag mehr auf als unter Placebo (95-%-Konfidenzintervall von 0,43 weniger bis 0,56 mehr), eine Schätzung, die der Review als Evidenz moderater Qualität einstuft. Auch die vier Studien mit Gesamtsymptomscores zeigen keinen signifikanten Unterschied, und die Berichtsqualität ist schlecht: Die verdeckte Zuteilung ist nur in einer Studie beschrieben. Die Autoren schließen, es gebe derzeit unzureichende Evidenz für den Einsatz bei Wechseljahresbeschwerden; die Zusammenfassung ergänzt, die Evidenz spreche weder dafür noch dagegen (Leach und Moore, 2012). Eine Aktualisierung gibt es nicht. Auf cochrane.org haben wir keine deutsche Übersetzung der Zusammenfassung gefunden; die Wiedergabe ist unsere Übersetzung der englischen Fassung.

Neuere Auswertungen: Metaanalyse, IQWiG und S3-Leitlinie

Die vom NCCIH zitierte Metaanalyse von 2023 (22 Arbeiten, 2.310 Frauen) fand unter Traubensilberkerze bessere Werte für Hitzewallungen als unter Placebo (standardisierter Effekt 0,32; 95-%-Konfidenzintervall 0,11 bis 0,52) und für die Beschwerden insgesamt, nicht aber für Angst oder depressive Symptome. Sie schloss Kombinationspräparate ein, und ihre Einheiten lassen sich nicht in „Hitzewallungen pro Tag“ umrechnen (Sadahiro et al., 2023).

Das IQWiG legte 2025 im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums einen Evidenzbericht vor. Er berücksichtigte nur randomisierte Studien mit Präparaten, die dem deutschen Zulassungsstatus entsprechen (Mindestdosis 2,5 mg pro Tag): Von sieben passenden Studien lieferten vier verwertbare Daten. Bei der Lebensqualität zeigte sich in einer von zwei Studien nach drei Monaten ein signifikanter Vorteil, in der anderen nicht, und in einer 12-Monats-Studie an Frauen nach der Menopause ebenfalls nicht; eine Gesamtschätzung war nicht möglich, die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist sehr niedrig. Für vasomotorische Beschwerden ergab die gemeinsame Auswertung von zwei Studien nach drei bis sechs Monaten einen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber Placebo mit moderater Vertrauenswürdigkeit der Evidenz (I² rund 65 %; die Inkonsistenz wertet das IQWiG als nicht schwerwiegend). Dieses Maß stammt aber aus der vasomotorischen Domäne eines Lebensqualitätsfragebogens und einem Item des Kupperman-Index, nicht aus gezählten Hitzewallungen, und in der Sechs-Monats-Studie an Frauen nach der Menopause allein war der Unterschied nicht signifikant. Für depressive Symptome, Schlaf (nur eine kleine Studie), Herzklopfen und ein Erschöpfungsmaß (das Kupperman-Item Konzentrationsschwäche) fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede, bei niedriger Vertrauenswürdigkeit der Evidenz; zu Angst lagen keine verwertbaren Daten vor. Schwere unerwünschte Ereignisse traten nicht auf, ein Leberendpunkt wurde nicht ausgewertet (IQWiG, 2025).

Die S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“ (Fassung 2020) stuft Cimicifuga-Präparate zusammen mit kognitiver Verhaltenstherapie und Isoflavonen mit Empfehlungsgrad 0 ein: Sie „können“ bei vasomotorischen Symptomen angewendet werden (Konsens 95 %). Grad 0 ist die schwächste Stufe; für die Hormontherapie lautet die Empfehlung „soll“ (Grad A). Die Gesellschaft für Phytotherapie stimmte dem nicht zu und wollte nur zugelassene Cimicifuga-Arzneimittel empfehlen, isopropanolische mit Grad A, ethanolische mit Grad B; die Steuergruppe folgte dem ausdrücklich nicht (AWMF, 2020). Der Entwurf der Aktualisierung (Konsultationsfassung, Stand 25. Mai 2026) bleibt bei Grad 0 („kann … angeboten werden“, Konsens 82 %) und rät mit Grad B davon ab, Cimicifuga bei Stimmungsschwankungen und Depression zu empfehlen (AWMF, Entwurf 2026, Kurzfassung). Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für die Cimicifuga-Empfehlung nennt die Langfassung des Entwurfs „niedrig/sehr niedrig“ (AWMF, Entwurf 2026, Langfassung). Der Entwurf ist noch nicht verabschiedet.

Manchmal wird auch „26 Prozent“ genannt. Die Zahl stammt aus einer Metaanalyse von 2010 (Recherche bis 2008): Präparate mit Traubensilberkerze besserten die Beschwerden um 26 % (95-%-Konfidenzintervall 11 bis 40 %), bei statistisch signifikanter Heterogenität (Shams et al., 2010). Die unabhängige Bewertung des Centre for Reviews and Dissemination der Universität York erklärt, es handle sich um einen Unterschied im Anteil gebesserter Frauen, mehr als die Hälfte der Studien betreffe Kombinationspräparate, und die zwei Studien zu Traubensilberkerze allein ergaben 11 % (95-%-Konfidenzintervall 1 bis 20 %) (CRD-Bewertung). Es ist also keine „Abnahme der Hitzewallungen um 26 %“.

Ze 450: Was dahintersteckt

„Ze 450“ ist der Name eines Spezialextrakts der Schweizer Firma Max Zeller Söhne AG: ein Trockenextrakt aus dem Wurzelstock, Droge-Extrakt-Verhältnis 4,5 bis 8,5 : 1, Auszugsmittel Ethanol 60 % (V/V). Diese Spezifikation entspricht einer der drei Zubereitungen der EU-Monographie; auch deutsche Arzneimittel mit 6,5 mg Trockenextrakt und Ethanol 60 % haben sie, ohne dass ihre Produktinformationen „Ze 450“ nennen. In Deutschland haben wir kein Produkt gefunden, dessen Information den Namen führt; in der Schweiz ist eine 13-mg-Tablette zugelassen (Swissmedic-Arzneimittelinformation). Ze 450 ist nicht der isopropanolische Extrakt iCR, auf dem viele andere Herstellerstudien und Metaanalysen beruhen.

Die zentrale Studie ist Schellenberg et al. 2012: 180 Frauen mit klimakterischen Beschwerden, vier ambulante Zentren, zwölf Wochen, randomisiert und placebokontrolliert mit 6,5 mg, 13 mg oder Placebo; Hauptzielgröße war der modifizierte Kupperman-Menopause-Index (0 bis 48 Punkte). Er sank unter 6,5 mg im Mittel um 8,5 Punkte, unter 13 mg um 17 Punkte, unter Placebo stieg er leicht um 1,7 Punkte. Die oft zitierten „17“ und „8,5“ sind also Veränderungen gegenüber dem Ausgangswert, keine Unterschiede zu Placebo. Auffällig ist, dass sich die Placebogruppe nicht besserte; die Autoren halten selbst fest, das Placeboansprechen könnte in dieser Studie niedrig gewesen sein. Das IQWiG errechnete für die zugelassene Dosis von 6,5 mg einen Unterschied zu Placebo von −9,29 Punkten (Differenz der Endwerte nach 12 Wochen; 95-%-Konfidenzintervall −13,35 bis −5,23). In der zweiten IQWiG-Studie mit derselben Extraktspezifikation (Frei-Kleiner 2005) zeigte sich dieser Vorteil nicht, eine Gesamtschätzung war nicht möglich, und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für die Lebensqualität ist sehr niedrig. Die Studie wurde von Max Zeller Söhne AG finanziert, drei der sieben Autoren sind dort angestellt, sie lief 2002 und 2003 und erschien 2012 (Schellenberg et al., 2012). Ein Mitglied des EU-Ausschusses HMPC (Italien), das der Monographie nicht zustimmte, hielt fest, die Studie liefere trotz Einschränkungen einen gewissen Beleg, dauere aber nur drei Monate und zeige nicht, dass die Wirkung sechs Monate anhalte (EMA, Stellungnahme). Die Schweizer Arzneimittelinformation vermerkt, die Wirksamkeit nach mehr als 12 Wochen sei nicht untersucht worden.

Warum glaubwürdige Bewertungen auseinanderliegen

Eine alte Balkenwaage aus Messing mit waagerecht hängenden Schalen, auf der einen Seite getrocknete Scheiben der Traubensilberkerzenwurzel, auf der anderen ein Stapel leerer Blätter, dahinter ein blühender Stängel der Traubensilberkerze in einem Glas

  • Sie stellen unterschiedliche Fragen. Cochrane, IQWiG und die Leitlinie prüfen den Nutzen gegenüber Placebo. Die Kategorie „well-established use“ der EMA beruht auf Literaturdaten zu mindestens zehn Jahren Anwendung in der EU. Der Bewertungsbericht schreibt, keine hochwertige Studie habe signifikante Ergebnisse gezeigt, und akzeptiert die lange Anwendung und die hohen Verkaufszahlen als Indikatoren für Wirksamkeit im Rahmen eines „well-established use“; die öffentliche Zusammenfassung der EMA sagt, die Ergebnisse von rund 20 klinischen Studien mit über 6.000 Patientinnen deuteten zusammengenommen auf eine Besserung hin (EMA, Zusammenfassung). Die Monographie wurde mit 20 von 25 Stimmen beschlossen, fünf Mitglieder gaben abweichende Positionen ab. Eine Überprüfung im November 2025 sah keinen Revisionsbedarf.
  • Sie betrachten unterschiedliche Produkte. Cochrane wertete nur Einzelpräparate mit verschiedenen Extrakten aus, die Metaanalyse von 2023 auch Kombinationen, das IQWiG nur Präparate nach deutschem Zulassungsstatus, die EMA nur drei Extrakte. Ein Ergebnis für einen Extrakt lässt sich nicht auf einen anderen übertragen.
  • Sie messen Unterschiedliches. Gezählte Hitzewallungen, Beschwerdescores wie der Kupperman-Index und Lebensqualitätsfragebögen entwickeln sich nicht gleich. Die Leitlinienkoordination kritisierte 2019 (dokumentiert im Leitlinienreport 2020), Beer und Neff (2013) hätten die Studienqualität nicht bewertet und den eingeschlossenen Studien (kleine Fallzahlen, teils Industriefinanzierung, Methoden- und Ergebnisdarstellung „nicht wirklich transparent“) ungeprüft Evidenzgrad 1b zugebilligt; zudem hätten die Arbeiten Menopausen-Scores statt Hitzewallungen ausgewertet (AWMF, Leitlinienreport 2020).
  • Placeboeffekte sind groß, und die Finanzierung spielt eine Rolle. In einer öffentlich finanzierten US-Studie über 12 Monate sanken die vasomotorischen Symptome unter Traubensilberkerze um 34 %, unter Rotklee um 57 %, unter Placebo um 63 % und unter Hormontherapie um 94 %; nur die Hormontherapie unterschied sich signifikant von Placebo (Geller et al., 2009). Manche besonders positiven Auswertungen zu bestimmten Extrakten stammen von Autoren, die mit dem Hersteller verbunden sind (Castelo-Branco et al., 2021), während die öffentlich finanzierten US-Studien keinen Vorteil gegenüber Placebo fanden (Newton et al., 2006; Geller et al., 2009). Das macht die Industriestudien nicht falsch, hilft aber beim Abwägen.
  • Manche Patientenportale gehen weiter als die Datenlage. Das Portal Frauenärzte im Netz (Stand 6. Mai 2026) schreibt, in Deutschland zugelassene Arzneimittel aus dem Trockenextrakt des Cimicifugawurzelstocks hätten sich „insbesondere bei wechseljahresbedingten psychovegetativen Störungen (z.B. Schlafstörungen, innere Unruhe, Erschöpfung) bewährt“ (Frauenärzte im Netz). Der IQWiG-Bericht fand für Schlaf (nur eine kleine Studie), depressive Symptome, Herzklopfen und ein Erschöpfungsmaß keine statistisch signifikanten Unterschiede, bei niedriger Vertrauenswürdigkeit der Evidenz; mittelgroße Effekte ließen sich für den Schlaf nicht ausschließen.

Die WHO-Monographie von 2002 führt klimakterische Beschwerden unter den „durch klinische Daten gestützten Anwendungen“, betont aber, ihre Beschreibungen bedeuteten keine offizielle Billigung. Sie stützt sich auf Studien bis 1998 und ist älter als die Leberwarnungen (WHO, 2002).

Traubensilberkerze oder Hormontherapie?

Die Hormontherapie bleibt der Maßstab. Die S3-Leitlinie empfiehlt (Grad A, „soll“), Frauen mit vasomotorischen Beschwerden eine Hormontherapie anzubieten, nachdem sie über kurz- und langfristigen Nutzen und Risiken informiert wurden (AWMF, 2020). Ein Cochrane-Review von 24 Studien zur oralen Hormontherapie fand unter Hormontherapie pro Woche 75 % weniger Hitzewallungen als unter Placebo (95-%-Konfidenzintervall 64 bis 82 %); in den Placebogruppen selbst sank die Häufigkeit um etwa 58 % gegenüber dem Ausgangswert (MacLennan et al., 2004). In der US-Studie, die beides prüfte (351 Frauen), senkte die Hormontherapie die vasomotorischen Symptome gegenüber Placebo um etwa vier pro Tag, der Unterschied zwischen Traubensilberkerze und Placebo lag unter eins pro Tag und war nicht signifikant (Newton et al., 2006). Die Stiftung Warentest bewertete in der Ausgabe 2/2026 Hormonpräparate als „geeignet“ und die pflanzlichen Mittel insgesamt nur als „mit Einschränkung geeignet“ (bewertet wurden nur apothekenpflichtige Präparate), weil sie schwächer wirkten; die Produktbewertungen liegen hinter einer Bezahlschranke, wir haben sie nicht geprüft (Pharmazeutische Zeitung, 2026; PTA-Forum, 2026).

Traubensilberkerze ist deshalb kein gleichwertiger Ersatz, und die EU-Monographie wie die Fachinformationen verlangen Rücksprache, bevor man sie mit Östrogenen kombiniert. Als weitere nicht hormonelle Optionen nennt der Leitlinienentwurf 2026 unter anderem Isoflavone, Rhapontikrhabarber-Extrakt (nur konsensbasiert, Konsens 67 %) sowie, für Frauen nach der Menopause und unter Beachtung der Fachinformation, Fezolinetant und Elinzanetant (Empfehlungsgrad 0). Unser Ratgeber zu Behandlungsmöglichkeiten in der Perimenopause stellt sie vor.

Wer vorsichtig sein oder verzichten sollte

  • Menschen mit einer Lebererkrankung. Vorher ärztlichen Rat einholen (siehe oben).
  • Schwangerschaft und Stillzeit. Die Fachinformation eines zugelassenen Präparats nennt die Sicherheit nicht belegt und die Anwendung nicht empfohlen.
  • Brustkrebs oder andere hormonabhängige Erkrankungen, aktuell oder früher. Hier widersprechen sich die deutschen Quellen. EU-Monographie und Fachinformation: nicht ohne ärztliche Rücksprache. Das IQWiG-Gesundheitsportal (Stand Januar 2023): Frauen mit Brustkrebs werde von dem Mittel abgeraten. Die S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Onkologie (2024): Der Einsatz von Cimicifuga racemosa „kann zur Senkung von menopausalen Symptomen wie Hitzewallungen erwogen werden“ (Empfehlungsgrad 0, Evidenzlevel 2b), wobei für Auswirkungen auf Sterblichkeit oder krankheitsassoziierte Morbidität keine ausreichenden Daten aus randomisierten Studien vorliegen (Leitlinienprogramm Onkologie). Was davon für Sie gilt, klären Sie mit Ihrer Onkologin oder Ihrem Onkologen.
  • Frauen unter Östrogenen (Hormontherapie). Nicht ohne Rücksprache kombinieren.
  • Alle, die andere Arzneimittel einnehmen. Die S3-Leitlinie erwähnt berichtete Wechselwirkungen. Die EMA-Bewertung nennt eine schwache Hemmung von CYP2D6, einem Enzym, das unter anderem Tamoxifen verarbeitet, hält deren klinische Relevanz aber für fraglich und fand keine klinisch relevanten Wechselwirkungen; Monographie und Fachinformation führen keine bekannten Wechselwirkungen auf. Sagen Sie es dennoch Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.

Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel: So erkennen Sie ein geprüftes Präparat

Dies ist eine allgemeine Information, keine Kaufempfehlung und keine Dosierungsanleitung.

Wie Traubensilberkerze in Deutschland eingestuft ist

In Deutschland sind Cimicifuga-Extrakte als apothekenpflichtige, rezeptfreie pflanzliche Arzneimittel zugelassen. Die Fachinformation eines solchen Präparats (6,5 mg Trockenextrakt, Auszugsmittel Ethanol 60 %, erstmals 1998 zugelassen) nennt als Anwendungsgebiet die Besserung von Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen und übermäßigen Schweißausbrüchen, enthält einen auf dem BfArM-Bescheid von 2009 beruhenden Leber-Warnhinweis und begrenzt die Einnahme ohne ärztlichen Rat auf sechs Monate (Fachinformation). Nahrungsergänzungsmittel sind etwas anderes: In der Stoffliste von Bund und Ländern (BVL, 2014) steht der Wurzelstock als „Arzneistoff“ und auf „Liste A“, „Stoffe, für die eine Verwendung in Lebensmitteln nicht empfohlen wird“; die Liste ist allerdings nur als Orientierungshilfe gedacht (BVL). Die Verbraucherzentrale schreibt, solche Produkte seien eigentlich pflanzliche Arzneimittel und keine Nahrungsergänzungsmittel, und eine Expertenkommission der Stofflisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz empfehle, Cimicifuga in Lebensmitteln zu verbieten (Verbraucherzentrale). Die S3-Leitlinie rät, registrierte Arzneimittel zu verwenden, um Risiken ungeprüfter oder gepanschter Produkte zu vermeiden, und ein Fachartikel von 2026 hält fest, dass sich die klinischen Daten nicht auf Nahrungsergänzungsmittel oder Produkte mit unklaren Zutaten übertragen lassen (natürlich, 2026).

Woran Sie ein geprüftes Präparat erkennen

  • Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel? Ein zugelassenes Arzneimittel trägt eine Zulassungsnummer und hat eine Gebrauchsinformation; ein Nahrungsergänzungsmittel hat keine Zulassung.
  • Achten Sie auf die Pflanzenart. Auf dem Etikett sollten Actaea racemosa (oder Cimicifuga racemosa) und der Wurzelstock stehen. Asiatische Actaea-Arten wie A. dahurica sind die Ersatzarten, die in falsch etikettierten Produkten am häufigsten genannt werden.
  • Bevorzugen Sie ein Einzelpräparat, wenn Sie wissen wollen, was Sie einnehmen: Die Cochrane-Daten stammen von Einzelpräparaten, und eine Mischung macht unklar, welcher Bestandteil einen Nutzen oder eine Nebenwirkung verursacht hat.
  • Der Extrakt ist wichtig. Die EU-Kategorie gilt für drei Trockenextrakte (Ethanol 58 %, Ethanol 60 %, Propan-2-ol 40 %) und nennt die Daten für andere Extrakte nicht ausreichend. Die Apotheken Umschau schreibt, ein Tee empfehle sich nicht; eingenommen werden sollten Fertigarzneimittel, weil darin die Inhaltsstoffe ausreichend hoch dosiert seien (Apotheken Umschau).
  • Eine Angabe ist kein Qualitätsbeweis. Das NCCIH weist darauf hin, dass Begriffe wie „standardisiert“, „verifiziert“ oder „zertifiziert“ nicht zwingend Qualität oder Gleichmäßigkeit eines Produkts garantieren (NCCIH).
  • Beachten Sie die Höchstdauer der Anwendung. Ohne ärztlichen Rat nicht länger als sechs Monate; wenn Sie sich nach sechs Monaten nicht besser oder schlechter fühlen, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt (Gebrauchsinformation).

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Traubensilberkerze schädlich für die Leber? In Studien wird sie meist gut vertragen, doch bei Produkten, die als Traubensilberkerze verkauft wurden, sind Leberschäden gemeldet worden. Das NCCIH nennt diese Probleme selten und sagt, es sei unklar, ob die Pflanze dafür verantwortlich war (NCCIH). Beenden Sie die Einnahme und suchen Sie ärztlichen Rat, wenn Müdigkeit, Appetitverlust, Gelbfärbung der Haut oder Augen, starke Schmerzen im Oberbauch mit Übelkeit und Erbrechen oder dunkler Urin auftreten. Bei einer Lebererkrankung fragen Sie vorher Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Hilft Traubensilberkerze wirklich gegen Hitzewallungen? Die Bewertungen gehen auseinander. Ein Cochrane-Review fand 2012 keinen signifikanten Unterschied zu Placebo bei der Häufigkeit von Hitzewallungen (Leach und Moore, 2012). Das IQWiG sah 2025 bei Präparaten, die dem deutschen Zulassungsstatus entsprechen, einen Vorteil bei vasomotorischen Beschwerden (zwei Studien, moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz) (IQWiG, 2025), und die S3-Leitlinie stuft Cimicifuga als „kann“-Empfehlung ein (Grad 0). Wie groß ein Nutzen ist, bleibt unsicher, und Studien können nicht vorhersagen, ob es bei Ihnen wirkt.

Kann man Traubensilberkerze zusammen mit einer Hormontherapie einnehmen? Die EU-Monographie und die Fachinformation zugelassener Präparate sagen, dass die gleichzeitige Einnahme mit Östrogenen nicht ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt erfolgen sollte (EMA-Monographie). Wenn Sie eine Hormontherapie (MHT) anwenden oder beginnen möchten, klären Sie Traubensilberkerze vorher mit der Person, die sie verordnet.

Warum widersprechen sich Studien zur Traubensilberkerze? Sie unterscheiden sich im geprüften Extrakt, darin, ob ein Einzelpräparat oder eine Kombination untersucht wurde, in dem, was sie messen (gezählte Hitzewallungen oder Beschwerdescores), in ihrer Qualität und in der Finanzierung. Hinzu kommt der Placeboeffekt: In einer Cochrane-Auswertung zur Hormontherapie besserten sich die Placebogruppen um rund 58 % (MacLennan et al., 2004).

Wer sollte auf Traubensilberkerze verzichten? Bei einer Lebererkrankung ist nach der Fachinformation Vorsicht geboten, in Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen, und mit Östrogenen sowie bei Brustkrebs oder anderen hormonabhängigen Tumoren sollte sie nicht ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt eingenommen werden (Fachinformation). Bei Brustkrebs widersprechen sich die deutschen Quellen: Das IQWiG-Portal rät ab, die S3-Leitlinie Komplementärmedizin sieht den Einsatz gegen therapiebedingte Hitzewallungen als Option, die erwogen werden kann (Empfehlungsgrad 0).

Ist Traubensilberkerze in Europa offiziell zugelassen? Als Arzneimittel ja: In Deutschland sind Cimicifuga-Präparate als rezeptfreie, apothekenpflichtige pflanzliche Arzneimittel zugelassen, und die EU-Monographie von 2018 führt drei Extrakte als „well-established use“, mit einer Grenze von sechs Monaten ohne ärztlichen Rat. Für Nahrungsergänzungsmittel gilt das nicht: Der Wurzelstock steht in der Stoffliste von Bund und Ländern auf Liste A („Stoffe, für die eine Verwendung in Lebensmitteln nicht empfohlen wird“) (BVL).

Was ist Ze 450, und ist der Extrakt besser als andere? Ze 450 ist ein Ethanol-60-%-Extrakt der Schweizer Firma Max Zeller Söhne AG. Die wichtigste Studie dazu (2012, 180 Frauen, 12 Wochen) wurde vom Hersteller finanziert (Schellenberg et al., 2012), und das IQWiG stuft die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für die Lebensqualität als sehr niedrig ein. Ein Fachartikel von 2026 kommt zu dem Schluss, dass keiner der Extrakte nach den vorliegenden Daten grundsätzlich vorzuziehen ist (natürlich, 2026).

Was unterscheidet Traubensilberkerze von Ashwagandha in den Wechseljahren? Es sind zwei verschiedene Pflanzen mit unterschiedlicher Evidenz. Traubensilberkerze hat eine lange Forschungsgeschichte zu Hitzewallungen, doch ihre Studien widersprechen sich, und ihr Wirkmechanismus ist ungeklärt. Unser Ratgeber zu Ashwagandha in den Wechseljahren bewertet die wechseljahresspezifische Evidenz dieser Pflanze als jünger und kleiner, mit zwei Studien.

So ist dieser Leitfaden entstanden: Recherchiert, verfasst und faktengeprüft vom Redaktionsteam von The Wellness Voyage; jede gesundheitsbezogene Aussage ist mit einer zitierfähigen Quelle belegt — anerkannte Gesundheitsbehörden und von Fachleuten begutachtete Studien sind im Text verlinkt und unten vollständig aufgeführt. Wir prüfen und aktualisieren diesen Artikel regelmäßig, sobald sich die Studienlage ändert; das Datum der letzten Überprüfung ist bei diesem Artikel angegeben. Er dient der Information, nicht dem Ersatz einer persönlichen Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson.

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken. Sprechen Sie immer mit einer qualifizierten medizinischen Fachperson, bevor Sie Ihre Behandlung ändern.

Quellen

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Quellen abgerufen am 30. September 2026. Passagen aus englischsprachigen Texten sind von uns übersetzt.

Emily Johnson

Emily Johnson, MSc, RH (AHG)

Registrierte Kräuterkundlerin (AHG)

Eine registrierte Kräuterkundlerin, die liest, was Behörden tatsächlich über eine Heilpflanze geschrieben haben, und nicht nur, wie sie vermarktet wird.