Wenn Sie ein verschreibungspflichtiges Medikament einnehmen und Johanniskraut in Erwägung ziehen, verdient die Liste der Wechselwirkungen mehr Aufmerksamkeit als bei den meisten pflanzlichen Präparaten. Der Grund: Johanniskraut fügt nicht nur eigene Effekte hinzu — es schaltet Leberenzyme an, die eine ganze Reihe von Medikamenten schneller abbauen, wodurch deren Blutspiegel still und leise unter die wirksame Schwelle fallen können. Dieser Leitfaden beginnt deshalb mit genau diesen Wechselwirkungen, bevor er auf die Frage nach der Wirksamkeit gegen Depressionen eingeht.
Warum das wichtig ist, bevor Sie es einnehmen
Dieser Leitfaden dient der Sicherheitsaufklärung, nicht als Gebrauchsanleitung für Johanniskraut. Nichts hier ersetzt eine persönliche medizinische Beratung, und nichts hier ist als Erlaubnis zu verstehen, ein verschriebenes Medikament eigenmächtig abzusetzen, zu ändern oder zu ersetzen — diese Entscheidung liegt bei Ihnen und Ihrer behandelnden Praxis. Ziel ist, dass dieses Gespräch informiert geführt wird, indem genau benannt wird, welche Medikamentenklassen ein reales, belegtes Wechselwirkungsrisiko mit Johanniskraut tragen.
Diese Wechselwirkungen sollten Sie kennen
Überblick:
| Medikamentenklasse | Was passiert | Evidenzstärke |
|---|---|---|
| Antibabypille | Verminderte Hormonspiegel; Zwischenblutungen, ungewollte Schwangerschaften gemeldet | BfArM-Meldedatenbank + Fachinformation |
| Blutverdünner (Phenprocoumon, Warfarin) | Verminderte Wirkstoffspiegel, schwächere Gerinnungshemmung | Randomisierte Studie + BfArM-Meldungen |
| Andere Antidepressiva | Risiko eines Serotoninsyndroms | Fallberichte; mechanistische Warnung |
| Ciclosporin und andere Immunsuppressiva | Verminderte Blutspiegel; Transplantatabstoßung dokumentiert | Publizierte Fallberichte (Transplantationspatienten) |
| Digoxin | Verminderte Aufnahme und Blutspiegel von Digoxin | Randomisierte, placebokontrollierte Studie |
| HIV-Medikamente und bestimmte Krebsmedikamente | Deutlich verminderte Wirkstoffspiegel | Kontrollierte pharmakokinetische Studien |
| Antiepileptika | Verminderte Wirkstoffspiegel, Risiko für Durchbruchsanfälle | Mechanistische Warnung (BfArM, Fachinformation) |
Diese Tabelle fasst die folgenden Abschnitte zusammen.
Die Antibabypille
Die Fachinformation von Laif® 900, einem in Deutschland zugelassenen Johanniskraut-Präparat, führt orale hormonelle Kontrazeptiva ausdrücklich unter den Wirkstoffen auf, deren Metabolismus durch CYP3A4, CYP2B6, CYP2C9, CYP2C19 oder P-Glykoprotein beeinflusst wird (Fachinformation Laif® 900). Der Bescheid des BfArM von 2005 dokumentiert dies konkreter: gestützt auf Publikationen zu Zwischenblutungen unter Norethindron-haltigen Präparaten enthält die Nebenwirkungsdatenbank des BfArM sechs gemeldete Fälle ungewollter Schwangerschaft, darunter einen Fall mit Fehlgeburt nach vorangegangener Durchbruchblutung (BfArM-Bescheid, 10.10.2005). Wer eine hormonelle Verhütungsmethode nutzt, sollte mit der behandelnden Praxis besprechen, ob während der Johanniskraut-Einnahme zusätzlich verhütet werden sollte.
Blutverdünner (Warfarin und andere)
Eine randomisierte Cross-over-Studie fand eine signifikant verringerte Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC) von freiem Phenprocoumon unter Johanniskraut-Komedikation (Maurer et al., 1999, zitiert im BfArM-Bescheid, 10.10.2005); dem BfArM liegen zusätzlich zwölf Spontanmeldungen zu Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut und Cumarin-Antikoagulanzien vor. Die Fachinformation von Laif® 900 listet Cumarin-Antikoagulanzien wie Warfarin entsprechend als Gegenanzeige (Fachinformation Laif® 900). Wer Phenprocoumon, Warfarin oder ein anderes Antikoagulans einnimmt, sollte eine Johanniskraut-Einnahme der behandelnden Praxis melden — üblicherweise folgt daraus eine engmaschigere Gerinnungskontrolle, kein eigenmächtiges Absetzen.
Antidepressiva und das Risiko eines Serotonin-Syndroms
Johanniskraut wirkt selbst auf die Serotoninaktivität, was einen Teil seiner Wirksamkeit gegen leichte Depressionen erklärt — und einen Teil des Grundes, warum die Kombination mit einem weiteren serotonergen Medikament keine Nebensächlichkeit ist. Die Fachinformation von Laif® 900 warnt ausdrücklich: „Laif® 900 kann die Serotoninkonzentration im ZNS heraufsetzen. Sehr selten können daher unerwünschte Wirkungen […] (serotonerges Syndrom) auftreten […], wenn Laif® 900 mit […] Antidepressiva vom SRI- bzw. SSRI-Typ (wie Paroxetin, Sertralin) […] kombiniert wird“ (Fachinformation Laif® 900). Der BfArM-Bescheid führt zusätzlich einen publizierten Fallbericht eines bedrohlichen Serotoninsyndroms unter dieser Kombination an (Waksman et al., 2000, zitiert im BfArM-Bescheid, 10.10.2005). Diese Kombination sollten Sie niemals ohne ärztliche Rücksprache ausprobieren, und sie ist kein Grund, ein verschriebenes Antidepressivum eigenmächtig zugunsten von Johanniskraut abzusetzen.
Ciclosporin und andere Immunsuppressiva
Dies ist die Wechselwirkung mit den schwerwiegendsten dokumentierten Folgen auf dieser Liste. In einem vielzitierten Bericht von 2000 entwickelten zwei herztransplantierte Patienten eine akute Organabstoßung, nachdem sie Johanniskraut eingenommen hatten; ihre Ciclosporin-Blutspiegel waren unter den therapeutischen Bereich gefallen und normalisierten sich erst nach Absetzen des Johanniskrauts wieder, woraufhin sich die Abstoßungsreaktion zurückbildete (Ruschitzka et al., The Lancet, 2000). Der BfArM-Bescheid bestätigt dieses Muster: Bei einem Patienten musste die Ciclosporin-Dosis um bis zu 70 % erhöht werden, um wieder einen therapeutischen Spiegel zu erreichen (BfArM-Bescheid, 10.10.2005). Die Fachinformation von Laif® 900 listet Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus und Sirolimus zur systemischen Anwendung entsprechend als Gegenanzeige, nicht nur als Vorsichtshinweis (Fachinformation Laif® 900). Wer Immunsuppressiva einnimmt, ob nach einer Organtransplantation oder wegen einer Autoimmunerkrankung, sollte Johanniskraut nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Transplantationsteams oder der behandelnden Praxis in Betracht ziehen.
Digoxin
Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie gab gesunden Probanden über zehn Tage entweder Placebo oder einen standardisierten Johanniskraut-Extrakt zusätzlich zu Digoxin und fand eine signifikant verringerte Digoxin-Aufnahme und einen verringerten Digoxin-Blutspiegel, vermutlich durch Induktion des Transportproteins P-Glykoprotein (Johne et al., Clinical Pharmacology & Therapeutics, 1999). Da Digoxin eine enge therapeutische Breite hat — der Abstand zwischen wirksamer und unwirksamer beziehungsweise toxischer Dosis ist gering — muss die behandelnde Praxis über jede Aufnahme oder jedes Absetzen von Johanniskraut informiert sein, um die Überwachung entsprechend anzupassen.
HIV- und Krebsmedikamente
Dies ist die Wechselwirkung mit dem klarsten Beleg aus einer kontrollierten Studie, nicht nur aus Einzelfallberichten. Eine am US-amerikanischen National Institutes of Health durchgeführte pharmakokinetische Studie gab gesunden Probanden das HIV-Medikament Indinavir vor und während zweiwöchiger Johanniskraut-Einnahme und fand eine durchschnittliche Verringerung der gesamten Wirkstoffexposition um 57 % sowie der Talspiegel-Konzentration vor der nächsten Dosis um 81 % (Piscitelli et al., The Lancet, 2000). Eine Verringerung dieser Größenordnung kann eine fortgesetzte Virusvermehrung trotz Behandlung ermöglichen und zu Resistenzen beitragen — weshalb die Autoren diesen Befund als klinisch bedeutsam einstuften, nicht als bloßen Laborwert. Der BfArM-Bescheid dokumentiert ein vergleichbares Muster bei Imatinib (AUC um 32 % gesenkt) und Irinotecan (Wirkstoffspiegel im Schnitt um 58 %, Bereich 14–70 %, gesenkt), mit dem ausdrücklichen Rat, die gleichzeitige Gabe zu vermeiden (BfArM-Bescheid, 10.10.2005). Wer sich in HIV-Behandlung oder Chemotherapie befindet, sollte kein pflanzliches Präparat, Johanniskraut eingeschlossen, ohne ausdrückliche Rücksprache mit dem behandelnden Team einnehmen.
Antiepileptika
Die Fachinformation von Laif® 900 warnt vor einer Kombination mit Arzneistoffen, deren Abbau über die induzierten Enzyme läuft, wozu auch Antiepileptika zählen können, deren Metabolismus CYP-abhängig ist (Fachinformation Laif® 900). Der BfArM-Bescheid nennt hierzu konkret ein erhöhtes Risiko einer verminderten Bioverfügbarkeit von Antikonvulsiva durch denselben Induktionsmechanismus, der auch die übrigen Wechselwirkungen dieser Liste erklärt (BfArM-Bescheid, 10.10.2005). Sinkt der Blutspiegel eines Antiepileptikums unter die wirksame Schwelle, ist genau das der Mechanismus, über den bei sonst gut eingestellter Epilepsie erneut Anfälle auftreten können — Grund genug, Johanniskraut vor der Einnahme mit der Neurologie oder der behandelnden Praxis zu besprechen, statt es als harmloses Nahrungsergänzungsmittel zu betrachten.

Wie diese Wechselwirkungen entstehen
Fast das gesamte Wechselwirkungsprofil von Johanniskraut lässt sich auf eine einzige Substanz zurückführen: Hyperforin. Es aktiviert einen Zellrezeptor namens Pregnan-X-Rezeptor (PXR), der wiederum die Produktion mehrerer Leberenzyme ankurbelt — insbesondere CYP3A4, aber auch CYP1A2, CYP2C9 und CYP2C19 — sowie des Transportproteins P-Glykoprotein, das Wirkstoffe aus Zellen hinausbefördert, bevor sie vollständig aufgenommen werden können. Laborstudien haben gezeigt, dass die Induktionsstärke von Hyperforin mit der des bekannten starken Enzyminduktors Rifampicin vergleichbar ist (Moore et al., 2000, zitiert im BfArM-Bescheid, 10.10.2005) — eine Einordnung, die die Bandbreite der betroffenen Medikamente auf dieser Seite erklärt.
Ein praktisch relevanter Punkt: Nicht jedes Johanniskraut-Produkt birgt dasselbe Risiko. Eine Übersichtsarbeit von 2020 fand, dass klinisch bedeutsame Wechselwirkungen durchgehend mit hyperforinreichen Präparaten auftraten, während bei Präparaten mit niedrigem Hyperforingehalt keine klinisch relevante Wechselwirkung berichtet wurde; europäische Behörden kamen zu dem Schluss, dass eine tägliche Hyperforin-Aufnahme von etwa 1 mg oder weniger keine klinisch relevante Wechselwirkung erwarten lässt (Nicolussi et al., 2020). Da der Hyperforingehalt für Verbraucherinnen und Verbraucher auf der Packung meist nicht ohne Weiteres ersichtlich ist, ist das eher ein zusätzlicher Grund, eine Johanniskraut-Einnahme offen anzusprechen, als ein Grund, ein bestimmtes Produkt vorschnell als „unbedenklich“ einzustufen.
Wichtig ist außerdem: Die Wirkung endet nicht mit der letzten Einnahme. Eine pharmakokinetische Studie maß, wie schnell die durch zweiwöchige Johanniskraut-Einnahme induzierte CYP3A-Aktivität nach dem Absetzen wieder ihren Ausgangswert erreichte, und fand einen Rückgang der oralen Clearance von Midazolam (als Messgröße für CYP3A-Aktivität) von 86,8 auf 59,7 l/h innerhalb von sieben Tagen — nahezu auf das Niveau vor der Johanniskraut-Einnahme (65,3 l/h) (Imai et al., British Journal of Clinical Pharmacology, 2008). Das bedeutet: Wer kurz nach dem Absetzen von Johanniskraut ein neues, interaktionsträchtiges Medikament beginnt, oder Johanniskraut kurz nach einer Dosisanpassung wieder aufnimmt, befindet sich weiterhin in diesem kritischen Zeitfenster.
Wirkt Johanniskraut wirklich gegen Depressionen?
Das ist nicht die Frage, mit der dieser Leitfaden beginnt, aber sie verdient eine ehrliche Antwort — und die Evidenz dafür ist tatsächlich solider als bei den meisten pflanzlichen Präparaten, die für die Stimmung beworben werden. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit, dasselbe strenge, unabhängige Format, das auch zur Bewertung konventioneller Medikamente verwendet wird, fasste 29 Studien mit 5.489 Patientinnen und Patienten zusammen und fand eine dem Placebo überlegene Wirksamkeit sowie eine mit Standard-Antidepressiva (sowohl älteren trizyklischen Wirkstoffen als auch SSRI) vergleichbare Wirksamkeit, bei weniger behandlungsbedingten Abbrüchen wegen Nebenwirkungen (Linde et al., Cochrane Database of Systematic Reviews, 2008).
Zwei ehrliche Einschränkungen gehören dazu. Erstens weist die Übersichtsarbeit selbst darauf hin, dass Studien aus deutschsprachigen Ländern tendenziell günstigere Ergebnisse berichteten als Studien anderswo — ein Muster, das reale Unterschiede in Studienqualität oder Produktstandardisierung widerspiegeln kann, das man kennen sollte, statt es zu übergehen. Zweitens, und praktisch bedeutsamer: Die deutsche Zulassungspraxis selbst spiegelt eine differenzierte Risikoeinschätzung wider. Seit dem 1. April 2009 sind Johanniskraut-Präparate, die für die Behandlung mittelschwerer Depressionen zugelassen sind, in Deutschland verschreibungspflichtig — eine Entscheidung, die das Bundesgesundheitsministerium mit einem nicht ausschließbaren Suizidrisiko bei dieser Indikation begründete (Deutsches Ärzteblatt, 2009). Präparate, die ausschließlich für leichte depressive Verstimmungen zugelassen sind, bleiben dagegen rezeptfrei. Das zeigt: Selbst innerhalb der Zulassungsbehörden wird zwischen leichter und mittelschwerer Depression unterschieden — eine Nuance, die eine pauschale Aussage wie „Johanniskraut wirkt gegen Depressionen“ nicht abbildet.
Wer auf Johanniskraut verzichten sollte
Auf Grundlage der oben genannten Punkte ist in einigen Situationen Vorsicht statt Ausprobieren angebracht:
- Wer eines der oben genannten Medikamente einnimmt — Antibabypille, Blutverdünner, ein anderes Antidepressivum, ein Immunsuppressivum, Digoxin, ein HIV-Medikament, ein Krebsmedikament oder ein Antiepileptikum — ohne ausdrückliche Absprache mit der behandelnden Praxis.
- Wer an einer schweren Depression leidet oder Suizidgedanken hat. Die Evidenz bezieht sich auf leichte bis mittelschwere Depressionen; eine schwere Depression braucht eine ärztliche Einschätzung, keine Selbstmedikation.
- Wer kürzlich ein Medikament oder eine Dosierung umgestellt hat, da die enzyminduzierende Wirkung noch etwa eine Woche nach dem Absetzen von Johanniskraut anhält — der Zeitpunkt spielt eine Rolle, nicht nur die aktuelle Einnahme.
- Schwangere und Stillende. Für die Anwendung in der Schwangerschaft, unabhängig vom Zeitpunkt, sowie bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne Verhütung wird in den Fachinformationen von einer Anwendung abgeraten.
- Wer sich längere Zeit intensiver Sonne aussetzt, bei hoher oraler Dosierung oder längerer äußerlicher Anwendung, wegen des dokumentierten, wenn auch seltenen Risikos einer Hautreaktion nach Sonnenexposition.
Wie Sie das Gespräch mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder der Apotheke führen
Das bedeutet nicht, dass Johanniskraut grundsätzlich gefährlich ist — das Risiko betrifft bestimmte Medikamentenkombinationen, nicht die Pflanze für sich genommen. Ein paar praktische Schritte decken das Wichtigste ab:
- Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke grundsätzlich über eine Johanniskraut-Einnahme, auch wenn Sie diese erst erwägen — besonders bei hormoneller Verhütung, Blutverdünnern, anderen Antidepressiva, Immunsuppressiva, Digoxin, HIV-Medikamenten, Krebsbehandlung oder Antiepileptika.
- Setzen Sie kein verschriebenes Medikament ab, um es durch Johanniskraut zu ersetzen, und setzen Sie Johanniskraut nicht abrupt ab, ohne Rücksprache zu halten, wenn Sie ein betroffenes Medikament einnehmen — beide Änderungen können die Wirkstoffspiegel verschieben.
- Bei Medikamenten mit enger therapeutischer Breite (Digoxin, Cumarin-Antikoagulanzien, Immunsuppressiva) fragen Sie, ob eine engmaschigere Kontrolle während der gleichzeitigen Einnahme sinnvoll ist.
- Achten Sie in den Wochen nach Beginn oder Absetzen von Johanniskraut auf neue Symptome — Unruhe, Herzrasen, ungewöhnliche Blutungen oder das Wiederauftreten zuvor kontrollierter Beschwerden.
- Bei neuen oder beunruhigenden Symptomen kontaktieren Sie die behandelnde Praxis, statt abzuwarten.
Johanniskraut ist nicht die einzige Heilpflanze mit einem relevanten Wechselwirkungsprofil — sehen Sie, wie sich die Wechselwirkungen von Ashwagandha vergleichen, oder lesen Sie unseren Leitfaden dazu, wie wir die Evidenz zu Heilpflanzen bewerten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wechselwirkt Johanniskraut mit der Antibabypille? Ja. Die Fachinformation eines zugelassenen Johanniskraut-Präparats nennt orale hormonelle Kontrazeptiva explizit unter den Wirkstoffen, deren Metabolismus durch die enzyminduzierende Wirkung von Johanniskraut beeinflusst wird (Fachinformation Laif® 900). Der BfArM-Bescheid dokumentiert zudem gemeldete Fälle von Zwischenblutungen und ungewollten Schwangerschaften (BfArM-Bescheid, 2005). Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über eine zusätzliche Verhütungsmethode.
Darf man Johanniskraut zusammen mit Antidepressiva einnehmen? Das ist keine Entscheidung, die Sie allein treffen sollten. Johanniskraut wirkt selbst auf den Serotoninhaushalt, weshalb die Kombination mit einem SSRI oder einem anderen serotonergen Antidepressivum das Risiko eines Serotoninsyndroms erhöhen kann (Fachinformation Laif® 900). Setzen Sie kein verschriebenes Antidepressivum eigenmächtig ab, ohne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen.
Beeinflusst Johanniskraut Blutverdünner wie Warfarin? Ja, und diese Wechselwirkung ist gut belegt. Eine randomisierte Studie zeigte eine signifikant verringerte Konzentration von freiem Phenprocoumon unter Johanniskraut-Komedikation, und dem BfArM liegen mehrere Spontanmeldungen zu dieser Wechselwirkung vor (BfArM-Bescheid, 2005). Sprechen Sie über eine engmaschigere Gerinnungskontrolle mit der behandelnden Praxis.
Ist Johanniskraut sicher in Kombination mit anderen Medikamenten? Nicht pauschal. Johanniskraut induziert mehrere Leberenzyme und ein Transportprotein, die den Abbau vieler Medikamente beeinflussen (Nicolussi et al., 2020). Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke grundsätzlich über eine Johanniskraut-Einnahme.
Wie lange wirkt sich Johanniskraut nach dem Absetzen noch auf den Medikamentenstoffwechsel aus? Rund eine Woche, laut einer Studie am Menschen: Die Aktivität des Leberenzyms CYP3A kehrte etwa sieben Tage nach dem Absetzen wieder nahezu auf den Ausgangswert zurück (Imai et al., 2008). Das Wechselwirkungsrisiko verschwindet also nicht sofort mit der letzten Einnahme.
Hilft Johanniskraut nachweislich gegen leichte bis mittelschwere Depressionen? Für diesen spezifischen Bereich ja, mit vergleichsweise solider Evidenz. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit über 29 Studien fand eine dem Placebo überlegene und mit Standard-Antidepressiva vergleichbare Wirksamkeit (Linde et al., 2008). Für schwere Depressionen oder eine Anwendung über etwa 12 Wochen hinaus ist die Datenlage deutlich dünner.
Ist Johanniskraut in Deutschland verschreibungspflichtig? Teilweise. Seit dem 1. April 2009 sind Johanniskraut-Präparate verschreibungspflichtig, die für die Behandlung mittelschwerer Depressionen zugelassen sind (Deutsches Ärzteblatt, 2009). Präparate, die ausschließlich für leichte depressive Verstimmungen zugelassen sind, bleiben rezeptfrei.
Kann Johanniskraut eine Hautreaktion in der Sonne auslösen? Ja, wenn auch bei üblichen Dosierungen selten. Große orale Dosen oder eine äußerliche Anwendung von Johanniskraut können schwere Hautreaktionen nach Sonnenexposition auslösen, ein Effekt, der auf den lichtempfindlichen Inhaltsstoff Hypericin zurückgeht (NCCIH).
So ist dieser Leitfaden entstanden: Recherchiert, verfasst und faktengeprüft vom Redaktionsteam von The Wellness Voyage; jede gesundheitsbezogene Aussage ist mit einer zitierfähigen Quelle belegt — anerkannte Gesundheitsbehörden und von Fachleuten begutachtete Studien sind im Text verlinkt und unten vollständig aufgeführt. Wir prüfen und aktualisieren diesen Artikel regelmäßig, sobald sich die Studienlage ändert; das Datum der letzten Überprüfung ist bei diesem Artikel angegeben. Er dient der Information, nicht dem Ersatz einer persönlichen Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson.
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken. Sprechen Sie immer mit einer qualifizierten medizinischen Fachperson, bevor Sie Ihre Behandlung ändern.
Quellen
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Bescheid: Abwehr von Gefahren durch Arzneimittel, Stufe II — Johanniskraut (Hypericum)-haltige Humanarzneimittel zur innerlichen Anwendung, 10. Oktober 2005. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Risikoinformationen/RisikoBewVerf/g-l/Johanniskraut-Bescheid-051010.pdf?__blob=publicationFile
- Fachinformation Laif® 900 (Bayer Vital GmbH), Stand Juli 2026. https://www.fachinfo.de/fi/pdf/022359
- Deutsches Ärzteblatt. Gesetzesänderungen: Rezeptpflicht für Paracetamol und Johanniskraut. Ausgabe 14/2009. https://www.aerzteblatt.de/archiv/gesetzesaenderungen-rezeptpflicht-fuer-paracetamol-und-johanniskraut-dbbd8183-5702-41c9-b50f-2ffe2d8e11bd
- National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH). St. John's Wort. https://www.nccih.nih.gov/health/st-johns-wort
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Hyperici herba — finale EU-Pflanzenmonographie, Revision 1. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/herbal/hyperici-herba-0
- Linde K, Berner MM, Kriston L. St John's wort for major depression. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2008, Issue 4, CD000448. https://doi.org/10.1002/14651858.CD000448.pub3
- Nicolussi S, Drewe J, Butterweck V, Meyer zu Schwabedissen HE. Clinical relevance of St John's wort drug interactions revisited. British Journal of Pharmacology, 2020;177(6):1212–1226 — PMC. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7056460/
- Piscitelli SC, Burstein AH, Chaitt D, Alfaro RM, Falloon J. Indinavir concentrations and St John's wort. The Lancet, 2000;355(9203):547–548 — PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10683007/
- Ruschitzka F, Meier PJ, Turina M, Lüscher TF, Noll G. Acute heart transplant rejection due to Saint John's wort. The Lancet, 2000;355(9203):548–549 — PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10683008/
- Johne A, Brockmöller J, Bauer S, Maurer A, Langheinrich M, Roots I. Pharmacokinetic interaction of digoxin with an herbal extract from St John's wort (Hypericum perforatum). Clinical Pharmacology & Therapeutics, 1999;66(4):338–345 — PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10546917/
- Imai H, Kotegawa T, Tsutsumi K, et al. The recovery time-course of CYP3A after induction by St John's wort administration. British Journal of Clinical Pharmacology, 2008;65(5):701–707 — PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18294328/
Quellen abgerufen am 12. September 2026.




